
Gefährte für die Jahre der Jugend
Osnabrück
Niemand ist seiner selbst gewiss. Niemand findet sich – es sei denn in der ständigen Verwandlung. Kaum ein Autor hat dieses Lebensbekenntnis so gelebt und in sein Werk übertragen wie Hermann Hesse. Sein legendärer Roman "Demian" ist beides, Geschichte einer Jugend und zugleich Dokument einer künstlerischen Anstrengung, mit der ein Autor wesentlich zu sich selbst gefunden hat. Für beides gilt, was Hesse in seinem Buch festhielt: "Das Leben jedes Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades."
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| Hermann Hesse |
Die als Selbstbiografie angelegte Studie des Übergangs vom Kind zum Erwachsenen veröffentlichte Hesse zunächst unter dem Namen der Hauptfigur Emil Sinclair. Um seine jungen Leser zu erreichen, schlüpfte der längst arrivierte Autor in die Maske des jungen Talents und heimste prompt den Fontane-Preis für den vermeintlichen Debüt-Roman ein. Doch ein Jahr nach dem Erscheinen wurde Hesse als „Berufsjugendlicher“ von Otto Flake enttarnt. Gleichviel: 1948 bescheinigte kein Geringerer als Thomas Mann dem Roman „elektrisierende Wirkung“ und seinem Autor das Verdienst, „mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit“ getroffen zu haben.
In der Tat. „Was das ist, ein wirklich lebender Mensch, das weiß man heute allerdings weniger als jemals, und man schießt denn auch die Menschen, deren jeder ein kostbarer, einmaliger Versuch der Natur ist, zu Mengen tot.“ Solche Sätze mussten unmittelbar nach der Jahrhundertkatastrophe des Ersten Weltkrieges die geheimen Sehnsüchte vieler junger Leute nach einem erfüllten Leben unmittelbar ansprechen. Hesse gibt mit dieser Jugendgeschichte, was viele suchten – Klärung verwirrender Gefühle, die Gewissheit, dem eigenen Leben Ordnung und Richtung geben zu können.
Dafür schildert Hesse den Weg Sinclairs vom behütenden Elternhaus bis in die Schützengräben des Ersten Weltkrieges, entfaltet eine Biografie als Prozess des Reifens, der jedoch ohne Krisen und Brüche nicht zu haben ist. Sinclairs mit psychologischer Tiefenschärfe geschilderter Lebensweg bietet sich in dem Roman als Parcours prägender Begegnungen dar. Konflikte mit dem Vater, Bedrohung durch den dämonischen Franz Kromer, Liebe zur jungen Beatrice und der reifen „Frau Eva“ – Persönlichkeit wächst bei Hermann Hesse in den Herausforderungen, die sie besteht.
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